Im Jahre 2000

Artikel aus "Pressburger Zeitung" vom 22 März 1922.

Übersetzungen auf englisch, französisch, italienisch, spanisch und slowakisch sind auch verfügbar.

Bratislava in the year 2000

Fortschritte, die man voraussehen kann.

In 78 Jahren wird man das Jahr 2000 schreiben. Da die Statistik besagt, dass von sieben Neugeborenen einer hoffen kann, bis zu 78 Jahren zu leben, so gibt es in den Städten und Dörfern der ganzen Welt junge Menschlein, die dieses Datum sehen werden, das für, das für die Erwachsenen von heute von mystrichem Glanz umgeben ist.

Wie wird das Jahr 2000 sein? fragt Paul Louis Hervier im "Figaro". Das Jahr 1000 war durch eine Weltpanik gekennzeichnet. Das Jahr 2000 wird nur die Upotheose des Fortschritts kennen.

In 78 Jahren werden die Wunder unserer Epoche Kinderspielzeuge scheinen. Unsere Luftschifffahrt, unsere Unterseeboote, die noch zu Zeiten Jules Vernes Träume und Utopien waren, werden sicherlich Verbesserungen erfahren haben, die aus ihnen beqüme Verkehrsmittel für alle Welt machen, insofern nicht noch einfachere Mittel erfunden würden. Im Jahre 2000 werden unsere wunderbaren Lokomotiven, die uns heute als mächtige Monstren erscheinen ebenso unmodern sein, wie die alte Postkutsche unserer Uhnen. Die Zuge werden nun mehr elektrisch geführt werden. Die Machinen aller Fabriken werden durch Elektrizät betrieben werden, man wird alle Wasserfälle der Erde eingefangen haben, vielleicht auch die Kraft des Windes, zweifellos die von Ebbe und Flut, man wird vielleicht die Möglichkeit haben, der Luft die Elekrtizät zu entnehmen, die sich in ihr befindet.

Ein Gelehrter sieht voraus, dass man in absehbarer Zukunft Möbel aus einem von Nickel herstammenden Metall - dem "Nickelum" - versertigen wird, und dieses Metall wird so leicht sein dass man einen Kasten so beqüm verschieben wird können, wie heute einen Stuhl, und so wenig kostspiellig, dass solche Möbel jedem zuganglich sein werden, so reinlich, dass auch die Hygiene dabei in vollstem Masse, mehr als bisher, berücksichtigt werden wird. In den Wohnungen wird alles elektrisch sein, die Küche, der Kochapparat, das Waschen des Geschirrs, und die menschliche Handleisung wird auf ein Minimum reduziert sein. Eine Dienstbotenkrise wird es nicht gehen.

Ein amerikanischer Verleger sieht eine grosse Verbesserung in der Ausstattung der B|cher voraus. Nach ihm wird man Blätter aus Nickel fabrizieren, die so leicht und d|nn sein werden, dass ein einziger Band 30.000 Seiten enthalten wird, die biegsamer, aber auch wiederstandsfähiger sein werden als die Papierseiten. Ein anderer amerikanischer Fabrikant ist überzeugt, dass ein Anzug von einer Machine, die aufs Genaüste durch Elektrizät dirigiert wird, zugeschnitten, gendäht und mit Knöpfen versehen werden wird.

Nach der Statistik wird, wenn die Zunahme der Bevölkerung in der grossen Städte in demselben Prozentstaz erfolgt wie bisher, im Jahre 2000 London vierzehn Millionen Einwohner haben und Paris neun Millionen. Die Strassen werden mit "Nickelum" gepflastert sein, da dieses Metall härter, daürhafter sein und den Strassenlärm dämpfen wird als Kautschuk. Die Luft der grossen Städte wird besser sein, der Rauch der Fabriken existiert nicht mehr. Man wird mittels unterirdischer rollbarer Trottoirs oder gar Wägelchen, die in pneumatischen Röhren fortbewegt werden, seine Besorgungen machen. Die Kohle, wird ihren grossen Wert verloren haben. Man wird sich hauptsächlich von synthetischen Produkten ernähren. Ein englischer Gelehrter meint, dass man vom Boden nicht bloss Gemüse und Früchte, nicht bloss fette Weiden und fruchtbare Felder, sondern auch eine unerschöpfliche Qülle von Wärme und Energie haben wird. Es würde genügen, meint er, einen Schacht von einigen Kilometern zu graben, um darin die für alle Industrien notwendige Wärme zu finden. Das Wasser würde in dieser Tiefe einen solche Temperatur haben, dass man damit alle Maschinen der Welt betrieben könnte.

Uber das sind nur die Fortschritte, die wir voraussehen können! Wie viel wird sich auf Gebieten zeigen, um die man sich heute gar nicht kümmert!

© 1998 Miroslav Šedivý, miro@slovensko.com